Abendlied für die Entfernte, D. 856

Lyrics
Hinaus, mein Blick! hinaus ins Thal! Da wohnt noch Lebensfülle; Da labe dich im Mondenstrahl Und an der heil'gen Stille Da horch nun ungestört, mein Herz Da horch den leisen Klängen Die, wie von fern, zu Wonn' und Schmerz Sich dir entgegen drängen Sie drängen sich so wunderbar Sie regen all mein Sehnen O sag mir, Ahndung, bist du wahr? Bist du ein eitles Wähnen? Wird einst mein Aug' in heller Lust Wie jetzt in Thränen, lächeln? Wird einst die oft empörte Brust Mir sel'ge Ruh umfächeln? Wenn Ahndung und Erinnerung Vor unserm Blick sich gatten Dann mildert sich zur Dämmerung Der Seele tiefster Schatten Ach, dürften wir mit Träumen nicht Die Wirklichkeit verweben Wie arm an Farbe, Glanz und Licht Wärst du, o Menschenleben! So hoffet treulich und beharrt Das Herz bis hin zum Grabe; Mit Lieb' umfaßt's die Gegenwart Und dünkt sich reich an Habe Die Habe, die es selbst sich schafft Mag ihm kein Schicksal rauben: Es lebt und webt in Wärm' und Kraft Durch Zuversicht und Glauben Und wär in Nacht und Nebeldampf Auch alles rings erstorben Dieß Herz hat längst für jeden Kampf Sich einen Schild erworben Mit hohem Trotz im Ungemach Trägt es, was ihm beschieden So schlummr' ich ein, so werd' ich wach In Lust nicht, doch in Frieden
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Credits
- Writers
- August Wilhelm Schlegel
- Franz Schubert